Ein Zen-Garten – auf Japanisch Karesansui („trockene Landschaft“) – ist eine besondere Form der japanischen Gartenkunst. Anders als europäische Gärten dient er nicht als Aufenthalts- oder Nutzfläche, sondern als Ort der Betrachtung und Meditation.
Die Gestaltungsregeln stammen aus dem mittelalterlichen Japan und wurden im Gartenhandbuch Sakuteiki (11. Jahrhundert) festgehalten. Zen-Mönche entwickelten daraus Gärten, die vor Tempeln angelegt wurden. Sie sollten den Geist beruhigen und die Konzentration fördern.
Das wichtigste Element sind Steine. Sie stellen Berge, Tiere oder heilige Inseln dar. Typisch sind Dreier-Gruppen, die Himmel, Mensch und Erde symbolisieren. Steine werden nicht einfach abgelegt, sondern zu etwa einem Drittel eingegraben, damit sie wie natürlich gewachsen wirken.
Die weißen Kiesflächen symbolisieren Wasser. Durch Harken entstehen Linien, die Strömungen oder Wellen darstellen. Kreise um einzelne Steine zeigen die Ausbreitung von Energie. Das regelmäßige Harken gehört zur Pflege und gleichzeitig zur meditativen Praxis
Zen-Gärten vermeiden Symmetrie. Ungerade Zahlen, versetzte Anordnungen und freie Flächen sind bewusst gewählt. Dieses Prinzip folgt der Ästhetik des „Wabi-Sabi“, der Schönheit des Unvollkommenen und Vergänglichen.
Ein Zen-Garten wird von einem festen Standpunkt aus angesehen, meist von einer Holzveranda. Er ist kein Durchgangsgarten. Der Blick wandert symbolisch vom Ufer über das Meer zu den Inseln der Unsterblichkeit. So wird der Garten zu einer Landschaft im Geist des Betrachters.
Ein Zen-Garten soll keine Aufmerksamkeit erzwingen. Wenn er richtig gestaltet ist, entsteht Ruhe. Gedanken verlangsamen sich und der Betrachter verweilt. Der Garten wird damit nicht nur Gestaltung, sondern ein stilles Werkzeug der Meditation.