Klassische Karesansui- bzw. Zen-Garten-Elemente (枯山水),
1. Steine & Felsen (Ishi – 石)
(Das wichtigste Element überhaupt — im Zen-Garten sind Steine eigentlich „die Landschaft“ selbst.)
Ishi (石) – Stein / Fels
→ Verkörpern Berge, Inseln, Tiere oder buddhistische Wesen.
Typische Steinsetzungen:
Sanzon-ishi (三尊石) – „Drei-Buddha-Steine“
→ Dreiergruppe; Mitte Buddha, links/rechts Begleiter (Bodhisattvas)Shumisen-seki (須弥山石) – Berg-Sumeru-Stein
→ heiliger Weltenberg aus dem Buddhismus = Zentrum des UniversumsReihai-seki (礼拝石) – Anbetungsstein
→ Platz, an dem der Betrachter symbolisch „steht“
2. Der verbotene Stein (ganz wichtig!)
Sekimori-ishi (関守石) – „Grenz-/Wächterstein“
Ein kleiner Stein, mit Schnur (meist Shimenawa-Seil) umwickelt
Bedeutet: Hier bitte nicht weitergehen
Sehr subtiler japanischer Weg-Hinweis (statt Zaun!)
Symbolisch: Respekt vor Raum, Reinheit, und unsichtbaren Grenzen
3. Steinlaternen
Ishi-dōrō (石灯籠) – Steinlaterne
Ursprung: buddhistische Tempel → später Tee-Garten.
Typen:
Kasuga-dōrō (春日灯籠) – hohe Tempellaterne
Yukimi-dōrō (雪見灯籠) – „Schneebetrachtungs-Laterne“ (breites Dach)
Oribe-dōrō (織部灯籠) – Teehauslaterne (tiefer, versteckt)
Symbolik:
→ Licht der Erleuchtung / Weg zur inneren Erkenntnis
4. Brücken
Hashi (橋) – Brücke
Wichtig: Sie ist spirituell, nicht praktisch.
Typen:
Taikobashi (太鼓橋) – Trommel-/Bogenbrücke
Soribashi (反橋) – geschwungene Brücke
Ishibashi (石橋) – Steinbrücke
Bedeutung:
→ Übergang vom weltlichen zum erleuchteten Geist
5. Wasserbecken / Brunnen
Tsukubai (蹲踞) – Waschstein / Brunnen
Vor dem Teehaus
Besucher muss sich bücken (tsukubau = sich demütig niederbeugen)
Symbolik:
→ Reinigung von Geist & Ego vor der Teezeremonie
Auch:
Chōzubachi (手水鉢) – allgemeines Reinigungsbecken
6. Kies & Sandmuster
Shirasuna (白砂) – „weißer Sand/Kies“
Mit Rechen (Kumade 熊手) gezogen:
Typische Muster:
Seigaiha (青海波) – Meereswellen
Uzumaki (渦巻き) – Strudel / Wirbel
Samon (砂紋) – allgemeine Sandwellenmuster
Bedeutung:
→ Wasser, Meer, Leere (Mu), Meditation
7. Sandkegel
Tatezuna (立砂) – aufgerichteter Sandkegel
Oft paarweise
Besonders an Schreinen (z. B. Kamigamo-Schrein)
Bedeutung:
→ Berg, Sitz der Kami (Gottheit)
→ Einladung an den Geist, herabzusteigen
8. Wege & Trittsteine
Tobi-ishi (飛石) – „Sprungsteine“ / Trittsteine
→ zwingen langsames, bewusstes Gehen
Roji (露地) – Tee-Garten-Pfad
→ Weg zur inneren Ruhe
9. Pflanzen
Koke (苔) – Moos → Alter, Stille, Zeit
Matsu (松) – Kiefer → Beständigkeit
Momiji (紅葉) – Ahorn → Vergänglichkeit (Wabi-Sabi)
10. Schildkröteninsel
Kamejima (亀島) – „Schildkröten-Insel“
Symbolik
Schildkröte = Langlebigkeit (oft 10.000 Jahre Leben)
Stabilität, Erdelement, Weisheit
Der Panzer steht für den Kosmos (Himmelkuppel)
Gestaltung
flacher, breiter Hauptstein (Panzer)
kleiner vorderer Stein (Kopf)
seitliche Steine (Flossen)
oft „im Wasser“ aus Kies liegend
Sie gehört fast immer zu einem Paar mit der Kranichinse
11. Kranichinsel
Tsuru-jima (鶴島) – „Kranich-Insel“
Symbolik
Kranich = spirituelle Erhebung
Unsterblichkeit & Himmel
Seele auf dem Weg zur Erleuchtung
Gestaltung
hoher senkrechter Stein (Körper/Hals)
zwei flache seitliche Steine (Flügel)
👉 Wichtig:
Kranich = Himmel
Schildkröte = Erde
→ Zusammen bilden sie die kosmische Harmonie Yin und Yang.
12. Horai – die Insel der Unsterblichen
Hōrai-jima (蓬莱島) – Insel Hōrai / Penglai
Mythologischer Ursprung: chinesischer Daoismus.
Bedeutung
Paradies
Wohnort der Unsterblichen (Sennin 仙人)
Ort ohne Krankheit, Alter oder Tod
In vielen Zen-Gärten ist das der eigentliche „Berg“, den du vom Tempel aus betrachtest — der Garten ist also eine Miniatur-Weltkarte.
13. Die Kaskaden- und Wasserfall-Steine
Taki-ishi (滝石) – Wasserfall-Stein
Karetaki (枯滝) – „trockener Wasserfall“
vertikale Steinreihe
darunter Kies = fallendes Wasser
Symbolik:
→ Fluss des Lebens / Zeit / Meditation
14. Fluss- und Ozeanlandschaft
Suhama (洲浜) – Küstenlinie / Strand
Nagare (流れ) – Flusslauf
Kies = Meer
Linienführung lenkt den Blick (wie Malerei)
Der Betrachter steht symbolisch am Festland und blickt über den Ozean zu den Inseln der Erleuchtung.
15. Torii – das heilige Tor
Torii (鳥居) – „Vogelsitz“ / Schrein-Tor
Bedeutung
Grenze zwischen profaner Welt und heiliger Sphäre
Ab hier betritt man einen spirituellen Raum
In Gartenanlagen markiert es oft: Der Garten selbst ist ein heiliger Ort
Materialien
Holz (rot lackiert – typisch)
Stein (ruhiger, häufiger im Zen-Garten)
👉 Interessant: Im Zen-Tempel selten zentral, aber in Mischgärten (Zen + Shintō) sehr häufig.
16. Steinfiguren / Statuen
Allgemein: Sekibutsu (石仏) – „Stein-Buddha“
Wichtige Figuren:
Jizō Bosatsu (地蔵菩薩)
→ Beschützer der Kinder und Reisenden
→ sehr häufig am Weg oder versteckt im MoosKannon Bosatsu (観音菩薩)
→ Bodhisattva des Mitgefühls (Avalokiteshvara)Nyorai (如来) – Buddha selbst
→ Erleuchtung / Erwachen
Symbolik:
Die Figuren sind nie Dekoration — sie „bewohnen“ den Garten spiritu
17. Wächterfiguren (Schrein-Tiere)
Komainu (狛犬) – Löwenhunde
→ stehen paarweise am Eingang (wie Tempelwächter)
Kitsune (狐) – Fuchs (Gott Inari)
→ Reis, Fruchtbarkeit, Schutz
Bedeutung:
halten böse Geister fern
markieren heiligen Bereich
18.Teehaus
Chashitsu (茶室) – Teehaus
Teil des Roji (露地), des Tee-Gartens.
Symbolik:
Rückzug aus der Welt
Gleichheit aller Menschen
Wabi-Sabi (Schlichtheit, Vergänglichkeit)
Die niedrige Tür (Nijiriguchi にじり口) zwingt jeden, sich zu verbeugen → Samurai musste sogar sein Schwert ablegen.
19. Pagode / Steinturm
Tō (塔) – Pagode / Turm
häufig: Gorintō (五輪塔) – „Fünf-Elemente-Stupa“
Die fünf Ebenen stehen für:
Erde (Chi 地)
Wasser (Sui 水)
Feuer (Ka 火)
Wind (Fū 風)
Leere (Kū 空)
→ also die buddhistische Kosmologie.
Warum das alles wichtig ist
Ein echter Zen-Garten ist kein Garten zum Herumlaufen.
Er ist eigentlich ein:
dreidimensionales Meditationsbild (eine Landschafts-Malerei aus Stein).
Du sitzt auf der Veranda des Tempels → schaust → und dein Geist „reist“ von der Welt (Ufer) über das Meer (Kies) zu den Inseln (Erleuchtung).


